Tagung "Zeichen Gehören Gesetzt" Neue Perspktiven für gehörlose und schwerhörende Menschen für Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich
Presseaussendung Wien, am 11. April 2007 – Andreas Paulini ist Arzt – und zwar gehörloser Arzt. Gehörlose Ärzte oder Ärztinnen gibt es derzeit in Österreich (noch) nicht. Paulini ist an der Asklepios Klinik in Hamburg beschäftigt. Er referiert als einer der Vortragenden in einer Reihe von hörenden sowie gehörlosen ExpertInnen auf der Wiener Tagung „Zeichen Gehören Gesetzt“ am 19. April 2007.
siehe auch Pressemeldung von Netdoktor 11.4.2007
Hörbeitrag der Sendung:
http://www.equalizent.com/data/bilder/oe1jourpan_lang.wma
http://www.equalizent.com/equp/pdf/pan.pdf
Diese Tagung soll ein weiteres Zeichen des gleichnamigen Projekts der equal-Entwicklungspartnerschaft „Blickwechsel“ setzen: Ziel des equalizent-Projekts war die Verbesserung und Förderung barrierefreier Ausbildungsmöglichkeiten sowie des beruflichen Zuganges für gehörlose und schwerhörende Menschen. Die Tagung öffnet sich InteressentInnen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich sowie einer breiteren Öffentlichkeit für Information und Vernetzung.
2006 – ein Jahr nach der offiziellen Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache – startete dieses ambitionierte Projekt. Denn: Anerkennung? Was bedeutet das konkret? Für gehörlose Menschen als PatientInnen und KlientInnen im Gesundheits- und Sozialbereich? Und als Menschen, die selbst in Sozial- und Gesundheitsberufe streben? Besonders im zweiten Fall gab und gibt es schier unüberwindbar erscheinende Hürden zu bezwingen. Eine dieser Hürden ist mit der neuen Fassung des Behindertengleichstellungsgesetzes gefallen, sodass – zumindest theoretisch – gehörlose Menschen auch Zugang zu den Ausbildungen erhalten müssen. Durch den bisherigen Passus „körperliche und geistige Eignung“ waren viele Menschen mit Behinderung ausgeschlossen worden, er wurde aus zahlreichen Berufsgesetzen durch ein entsprechendes Begleitgesetz durch „gesundheitliche Eignung“ bzw. durch den generellen Begriff „Eignung“ ersetzt. Doch die Ausschlüsse funktionieren oft auf anderen als bloß rechtlichen Ebenen. Oft mangelt es lediglich an der Schaffung von Rahmenbedingungen, wie z.B. GebärdensprachdolmetscherInnen oder kollegialer Unterstützung. Problematisch ist, dass gehörlose Menschen nach der Pflichtschule mit zum Teil groben Versäumnissen des Bildungsssystems ins Erwerbsleben oder die Berufsbildung entlassen werden. Um die nötigen Vorqualifikationen nachzuholen, war daher war ein wichtiger Teil des Projekts „Zeichen Gehören Gesetzt“ ein Vorqualifizierungslehrgang. Denn dass es möglich ist für gehörlose und schwerhörende Menschen im medizinisch-sozialen Berufen zu arbeiten, zeigt nicht nur der Arzt Andreas Paulini, sondern auch zahlreiche gehörlose Menschen weltweit, die als Klinische PsychologInnen, PsychotherpeutInnen, Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, Hebammen, medizinisch-technische AssistentInnen, PhysiotherapeutInnen etc. arbeiten. Und das wird vielleicht eines Tages auch in Österreich der Fall sein. Hierzulande waren es besonders die Gebärdensprachambulanzen der Barmherzigen Brüder in Wien, Linz und Salzburg, die Pionierarbeit in der medizinischen Versorgung gehörloser Menschen geleistet haben. In diesen Ambulanzen arbeitet z.T. bereits heute gehörloses Personal, etwa DSA Romeo Seifert als Sozialarbeiter bei der Gehörlosenambulanz in Wien. Auch Brato Adamovic, heute Trainer bei equalizent, hat ursprünglich eine Ausbildung als Behindertenbetreuer mit Schwerpunkt „Pädagogik für visuelle und alternative Kommunikation“ in Linz absolviert.
„Dafür müssen noch viele Vorurteile und Barrieren abgebaut werden und die bereits existierenden Institutionen im Gesundheitsbereich breiter bekannt werden“, so Manuela Hofer, Projektleiterin von „Zeichen Gehören Gesetzt. „Die Hürden sind oft im fehlenden Informationsaustausch mit Institutionen begründet. Natürlich würde ein gehörloser Pfleger / eine gehörlose Pflegerin nicht vorm Alarm-Monitor sitzen. Wiewohl dies mit der richtigen technischen Ausstattung wie z.B. Lichtsignalen auch kein Problem wäre. Interkollegiales Arbeiten und Kommunizieren ist der Schlüssel für eine Veränderung. Das eröffnet ja nicht nur Chancen für gehörlose und schwerhörende Menschen, sondern auch etwa für die Spitäler oder Pflegestätten selbst. Sie hätten mit gehörlosen und schwerhörenden MitarbeiterInnen DIE ExpertInnen für visuelle Wahrnehmung und Kommunikation im Haus. Sie sehen Dinge, die andere einfach nicht sehen – und das ist speziell im Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe ein unschätzbarer Vorteil.“
Rückfragehinweis: Mag.a Manuela Hofer, Projektleiterin Zeichen Gehören Gesetzt
Tel.: 01/409 83 18 – 40, Mail: manuela.hofer[at]equalizent.com
equalizent Schulungs- und Beratungs GmbH, www.equalizent.com
A-1020 Wien, Obere Augartenstraße 20